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Mannheimer Morgen vom 2. November 2005:

Von der Hörsaalbank in den eigenen Chefsessel

Zwei Studenten der Schlossuni haben eigenes
Marktforschungsunternehmen gegründet / Erster Kunde ist TomCo

Von Annette Schönleber

Früh übt sich, wer später einmal im Beruf erfolgreich sein will! Das dachten sich auch Süleyman Acar und Daniel Landes, die beide im fünften Semester Sozialwissenschaften an der Universität Mannheim studieren. Doch anstatt, wie die meisten ihrer Kommilitonen, auch weiterhin nur Erfahrungen bei verschiedenen Praktika zu sammeln, gingen die beiden 23-Jährigen noch einen Schritt weiter und gründeten im Juli kurzerhand ihre eigene Marktforschungsfirma: "blickwinkel Marktforschung". Auf diese Art wollen sie selbst erleben, "wie der Hase läuft".

Zu der Idee, eine eigene Firma zu gründen, wurden sie von Freunden inspiriert, die bereits vorher den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben. "Durch sie haben wir gesehen, dass man so was machen kann", berichtet Daniel Landes. Gleichzeitig waren sich die beiden aber auch sicher, dass sie über das notwendige Potential verfügen. "Durch unser Studium haben wir zwei Jahre Vorsprung", so Landes. Die Schlossuni besitzt einen ausgezeichneten Ruf in den Sozialwissenschaften und für die beiden Jungunternehmer ist das dort erlernte sozialwissenschaftliche Handwerkszeug sehr wichtig. Parallel dazu absolvierten sie verschiedene Praktika, unter anderem bei der SAP und dem Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. "Dadurch haben wir die nötige Sicherheit und Praxis gewonnen", ist Landes überzeugt.

Dass mit einer eigenen Firma sehr viel Arbeit verbunden ist, war Acar und Landes sehr wohl bewusst. "Aber da mir 'blickwinkel' Spaß macht, stellt es für mich kein Opfer dar, mir dafür Zeit zu nehmen", erzählt Süleyman Acar. Außerdem werden die beiden Studenten von ihrem Bekanntenkreis tatkräftig unterstützt: So hat eine Freundin einen Teil der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernommen, während ein anderer Freund das Design von Webseite und Präsentationsfolien entwickelte. Die zwei Geschäftsführer von "blickwinkel" legen großen Wert auf ein professionelles Auftreten und stecken darum sehr viel Energie in ihr Unternehmen. Trotzdem sind sich einig, dass die Uni nicht zu kurz kommen darf. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass ein erfolgreich abgeschlossenes Studium sehr wichtig für unsere Zukunft ist", sagt Acar. Aus diesem Grund wollen sie immer nur so viele Projekte übernehmen, wie sie neben dem Studium bewältigen können.

Ihr erstes Projekt konnten die Studenten bereits erfolgreich an Land ziehen. Für den stadtbekannten Friseurbetrieb TomCo führte "blickwinkel Marktforschung" vergangenen Monat eine Kundenbefragung durch, um mehr über dessen Stärken und Schwächen zu erfahren, neue Ideen und Konzepte anzutesten und insgesamt die Bindung zu den Kunden zu stärken. Dazu galt es nicht nur, einen passenden Fragebogen zu erstellen, es mussten auch die Salonmitarbeiter geschult und Mittel, wie Klemmbretter und verschließbare Wahlurnen, bereitgestellt werden. Im Dezember steht außerdem noch eine Präsentation der Ergebnisse an, die von den blickwinkel-Köpfen gerade vorbereitet wird.

Für die Zeit danach haben Acar und Landes schon ganz bestimmte Vorstellungen. "Wir wollen es vor allem Klein- und Mittelständischen Unternehmen ermöglichen, Marktforschung zu betreiben", erklärt Süleyman Acar, der hier eine wesentliche Marktlücke entdeckt zu haben glaubt: "Die Arbeit mit TomCo ist ein guter Anfang für uns. Nun hoffen wir, dass auch andere auf unsere Kundebefragung und deren Vorteile aufmerksam werden." Trotz der großen Konkurrenz im Marktforschungsbereich sind die beiden Studenten zuversichtlich, dass ihnen das gelingen wird. "Dadurch, dass wir so jung und damit auch flexibel sind, können wir uns jedem Auftraggeber ganz individuell widmen", nennt Acar einen ihrer Pluspunkte.